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Recht/Schutz

Ab Tag 1 verfügbar?

Hinweise

Unfair Dismissal (ordinary)

Nein (2 Jahre erforderlich)

Außer bei „automatisch unfairen“ Gründen

Equality Act (disability)

Ja

Keine Mindestbeschäftigungsdauer

Notice Pay

Ja

Außer bei grobem Fehlverhalten und wenn der Vertrag eine fristlose Kündigung erlaubt

Holiday Pay

Ja

Angesammelter, aber nicht genommener Urlaub muss ausgezahlt werden

Written Reasons for Dismissal

Nein (außer nach 2 Jahren)

Du kannst sie aber immer anfordern



1. Die emotionale Realität

ADHS oder Autismus am Arbeitsplatz offenzulegen, kann sich riskant und verletzlich anfühlen. Wenn du kurz danach entlassen wirst, ist es ganz natürlich, sich machtlos oder verwirrt zu fühlen.

Viele Menschen hören, sie hätten „keine Rechte“, wenn sie vor Ablauf von zwei Jahren entlassen werden, aber das ist nicht das ganze Bild.

2. Was du unter zwei Jahren nicht hast

Die meisten Rechte wegen gewöhnlicher unfairer Kündigung setzen zwei Jahre Beschäftigungsdauer voraus.

  • Du kannst in der Regel keine gewöhnliche unfair dismissal geltend machen.

  • Du hast kein Recht auf schriftliche Gründe für die Kündigung (außer du fragst danach und hast zwei Jahre Beschäftigungsdauer).

3. Was du ab Tag 1 hast

Du hast weiterhin wichtige rechtliche Schutzrechte, auch mit weniger als zwei Jahren Beschäftigungsdauer.

  • Schutz vor Diskriminierung wegen Behinderung nach dem Equality Act 2010.

  • Das Recht auf Kündigungsfristvergütung, Urlaubsvergütung und ausstehende Löhne (außer bei grobem Fehlverhalten und wenn dein Vertrag eine fristlose Kündigung erlaubt).

  • Das Recht, Ansprüche geltend zu machen, wenn deine Kündigung mit deiner Neurodivergenz zusammenhängt oder wenn dein Arbeitgeber keine angemessenen Anpassungen vorgenommen hat.

Schnellübersicht

4. Fallbeispiel: „Sams Geschichte“

Sams Erfahrung zeigt, wie das Recht dich schützen kann, selbst mit weniger als zwei Jahren Beschäftigungsdauer.

Sam, ein Projektmanager, erzählte der Personalabteilung von seinem ADHS und bat um Unterstützung. Zwei Monate später wurde er entlassen, nachdem man seine „Urteilsfähigkeit“ und „professionellen Grenzen“ kritisiert hatte. Im Schreiben stand „Vertrauensbruch“. Sam behielt seine E-Mails und die Überweisung zum Occupational Health, leitete eine ACAS Early Conciliation ein und machte Diskriminierung wegen Behinderung geltend. Das Tribunal stellte fest, dass sein Arbeitgeber keine angemessenen Anpassungen vorgenommen und ihn wegen ADHS-bezogenen Verhaltens entlassen hatte. Sam erhielt eine Entschädigung.

5. Ist ADHS oder Autismus eine Behinderung?

ADHS und Autismus sind nach dem Equality Act in der Regel Behinderungen, wenn sie das tägliche Leben erheblich und langfristig beeinträchtigen.

  • Du musst nicht „schwer“ betroffen sein oder eine schlechte Leistung erbringen.

  • Schwierigkeiten mit Konzentration, Zeitmanagement, Kommunikation oder Emotionsregulation zählen oft dazu.

6. Was wusste der Arbeitgeber, und wann?

Dein Arbeitgeber kann haftbar sein, wenn er von deiner Behinderung wusste oder hätte wissen müssen.

  • Tatsächliche Kenntnis: Du hast HR, deinem Vorgesetzten oder Occupational Health davon erzählt (idealerweise schriftlich).

  • Fiktive Kenntnis: Du hast Symptome beschrieben, um Hilfe gebeten oder deine Schwierigkeiten waren offensichtlich.

Tipp: Fasse mündliche Gespräche immer kurz per E-Mail nach.

7. Die „Verhaltens“-Falle

Arbeitgeber sagen selten: „Wir kündigen dir wegen deiner Behinderung.“ Sie verwenden Formulierungen wie „Urteilsfähigkeit“, „Grenzen“ oder „Vertrauen“.

  • Wenn sich ADHS oder Autismus auf Impulsivität, Kommunikation oder Emotionsregulation auswirkt, wird das oft als „Verhaltens“-Problem umgedeutet.

  • Genau hier schützt dich der Equality Act.

Wichtige rechtliche Punkte

Erklärungskarte für Ich habe meinem Arbeitgeber ADHS / Autismus offengelegt. Sie haben mich entlassen.: Geschütztes Thema, Anpassungen, Beweise.
  • Section 15: Es ist rechtswidrig, dich wegen etwas, das aus deiner Behinderung resultiert (wie Organisation, Impulsivität oder Kommunikationsstil), benachteiligt zu behandeln, es sei denn, der Arbeitgeber kann dies rechtfertigen.



  • Section 20: Arbeitgeber müssen angemessene Anpassungen vornehmen, wenn ihre Richtlinien oder Praktiken dich wegen deiner Behinderung benachteiligen.

Beispiele für angemessene Anpassungen:

  • Klare schriftliche Anweisungen und Prioritäten

  • Strukturierte Check-ins

  • Feedback in einer bestimmten Weise übermitteln

  • Frühzeitige Ankündigung vor Besprechungen oder Veranstaltungen

8. Abmahnungen, Verfahren und das „Verschieben der Zielmarken“

Wenn dein Arbeitgeber deine Behinderung erst spät im Verfahren anerkennt oder sich auf alte Abmahnungen stützt, kann das deinen Anspruch stärken.

  • Tribunale achten auf Konsistenz und darauf, ob dein Arbeitgeber ADHS oder Autismus zum richtigen Zeitpunkt tatsächlich berücksichtigt hat.

9. Kündigungsschreiben und „Verzichtserklärungen“ unterschreiben

Dir wird vielleicht ein Schreiben mit juristisch klingenden Klauseln vorgelegt und du sollst schnell unterschreiben.

  • Eine echte Aufhebungsvereinbarung (die deine Rechte verzichtet) muss strenge Anforderungen erfüllen, einschließlich unabhängiger Rechtsberatung.

  • Wenn du diese Beratung nicht erhalten hast, hindert das, was du unterschrieben hast, dich wahrscheinlich nicht daran, einen Anspruch geltend zu machen.

Wenn du unter Druck gesetzt wirst zu unterschreiben:

  • Unterschreibe nicht sofort. Sage: „Ich brauche Zeit, um das zu prüfen und Rat einzuholen.“

  • Bitte um die Vereinbarung schriftlich und um Zeit zur Prüfung.

  • Wenn du bereits unterschrieben hast, prüfe, ob du eine ordnungsgemäße Rechtsberatung erhalten hast – wenn nicht, ist der „Verzicht“ möglicherweise nicht wirksam.

10. Warum ADHS und Autismus diese Momente schwieriger machen

Neurodivergenz kann bedeuten, unter Druck schnell zu handeln, Scham oder Dringlichkeit zu empfinden und erst später zu erkennen, worauf du dich eingelassen hast.

  • Nimm nach Möglichkeit eine vertraute Person zu Besprechungen mit.

  • Bitte um alles schriftlich.

  • Erlaube dir, innezuhalten und Rat einzuholen.

11. Wie du eine schriftliche Dokumentation aufbaust

Eine kurze, sachliche E-Mail nach einem Gespräch reicht aus, um eine Dokumentationsspur zu schaffen.

Beispielformulierungen:

„Im Anschluss an unser Gespräch bestätige ich, dass ich ADHS habe, was sich auf [X] auswirken kann. Ich beantrage angemessene Anpassungen und hätte gern eine Einschätzung durch Occupational Health.“

„Zur eigenen Klarheit: Können wir Erwartungen und Feedback bitte schriftlich bestätigen?“

12. Schritt für Schritt, wenn du Diskriminierung vermutest

  1. Beweise sammeln: E-Mails, HR-Unterlagen, Occupational-Health-Berichte, Nachrichten über dein ADHS oder Autismus oder Anfragen nach Unterstützung.

  2. Chronologie der Ereignisse: Daten, wer was gesagt hat, wann.

  3. Bitte um schriftliche Gründe für deine Kündigung.

  4. Starte ACAS Early Conciliation (strenge Frist von 3 Monaten).

  5. Erwäge einen Subject Access Request, um zu sehen, was über dich in den Unterlagen steht.

  6. Überlege gut, bevor du eine Beschwerde einreichst – manchmal hilft es, manchmal verschafft es dem Arbeitgeber nur mehr Zeit.

13. Dich absichern

  • Teile niemals Details privater Gerichtsverfahren oder vertraulicher Vergleichsverhandlungen mit Kolleginnen und Kollegen oder in sozialen Medien.

  • Bleibe bei den Fakten und halte deine Kommunikation professionell und ruhig.

14. Das Fazit

Du kannst rechtmäßig entlassen werden, auch wenn du neurodivergent bist. Aber wenn dein Arbeitgeber:

  • von deinem ADHS oder Autismus wusste

  • keine angemessenen Anpassungen vorgenommen hat

  • dich für Verhaltensweisen bestraft hat, die mit deiner Behinderung zusammenhängen

  • dich unter Druck gesetzt hat, ohne ordnungsgemäßen Rat auf deine Rechte zu verzichten

…dann hast du möglicherweise einen Anspruch – unabhängig von deiner Beschäftigungsdauer.

Atme durch, bring deine Unterlagen in Ordnung und unterschreibe nichts überstürzt. Du hast mehr Rechte, als du vielleicht denkst.

Weitere Hinweise findest du in unserem Leitfaden Ich habe bei meinem Arbeitgeber eine Beschwerde eingereicht und wurde entlassen.

Weitere Hinweise findest du in unserem Leitfaden in der Probezeit entlassen: Welche Rechte habe ich?.



Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und stellt keine finanzielle, rechtliche oder medizinische Beratung dar. Die Ergebnisse können je nach den im Rahmen deines Anspruchs eingereichten Beweisen variieren.

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