Sprich mit Caira. Sie prüft sofort WP-Briefe, Protokolle und Angebote, entwirft sichere Statements - privat und unvoreingenommen. https://caira.unwildered.co.uk
1. Was bedeutet „Without Prejudice“?
In Konflikten steht „Without Prejudice“ (WP) für Vertraulichkeit. Gespräche, Briefe, E-Mails oder Acas-Schlichtungen sind „off the record“.
Diese Regelung ermöglicht freie Verhandlungen. Keine Seite darf Angebote oder Fehler vor Gericht gegen die andere verwenden.
Acas-Moderatoren nutzen WP oft, um im geschützten Rahmen Lösungen zu finden.
Für Angestellte bedeutet das Sicherheit: Sie können alles offen ansprechen.
Scheitern die Verhandlungen, bleibt Ihre Position unberührt.
Aber WP schützt nicht immer. Es gibt Ausnahmen und Risiken.
2. Wann gilt „Without Prejudice“?
WP greift nur, wenn bereits ein echter Konflikt zwischen Ihnen und dem Arbeitgeber vorliegt. Der Zeitpunkt ist entscheidend.
WP gilt bei:
Formellen Beschwerden, Klagen beim Tribunal oder schriftlichen Abmahnungen.
Klaren Konflikten über Behandlung, Kündigung oder Gehalt.
Einem echten Willen beider Seiten, sich zu einigen.
WP gilt NICHT bei:
Keinem formellen Konflikt (z. B. ohne eingereichte Beschwerde).
Normalen Mitarbeitergesprächen oder jährlichen Beurteilungen.
Labeln von Dokumenten ohne echten Einigungswillen.
Beispiel:
Nach einer Diskriminierungsbeschwerde sind Gespräche geschützt.
Wird Ihnen jedoch aus dem Nichts Geld für das Gehen angeboten, gilt WP meist nicht.
3. Häufige Fehler und Irrtümer
Der bloße Vermerk „Without Prejudice“ schützt ein Schreiben nicht automatisch.
Ein echter Streit sowie der Wille zur Einigung müssen vorhanden sein.
Häufige Fehler:
Die Annahme, jedes WP-Gespräch sei automatisch vertraulich.
Die Nutzung bei normalen Mitarbeiter- oder Feedbackgesprächen.
Unwissenheit darüber, dass Abs. 111A ERA nur bei unfairer Entlassung schützt.
Risiken:
WP-Gespräche landen ohne echten Konflikt plötzlich vor dem Tribunal.
Arbeitgeber schaden sich durch verfrühte oder falsche WP-Nutzung.
4. Die Ausnahme: Unzulässiges Verhalten
WP ist kein Freibrief für schlechtes Verhalten.
Wird WP für Erpressung, Meineid oder Diskriminierung missbraucht, fällt der Schutz.
Beispiele für Fehlverhalten:
Drohungen: „Kündigen Sie, oder wir ruinieren Ihr Zeugnis.“
Diskriminierung: „Frauen wollen wir in dieser Position nicht.“
Erpressung oder kriminelle Handlungen.
Was zu tun ist:
Notieren Sie Drohungen in WP-Treffen sofort im Detail mit Datum und Zeugen.
Bei schwerem Fehlverhalten lassen Richter Notizen als Beweis zu (siehe Ferster v Ferster).
5. Schutzverlust: Wie WP hinfällig wird
Der WP-Schutz erlischt, wenn eine Partei in offener Korrespondenz oder Zeugenaussagen auf die Inhalte verweist.
Der Schutz erlischt, wenn:
Sie ein WP-Angebot im offenen Brief erwähnen („Uns wurden 10.000 £ angeboten“).
WP-Details in Zeugenaussagen vor dem Tribunal auftauchen.
Die Folgen:
Der komplette Verlauf von WP-E-Mails und Angeboten wird verwertbar.
Taktiken und peinliche Eingeständnisse kommen ans Licht.
Praxistipp:
Trennen Sie Einigungsgespräche strikt von den Prozessakten.
Erwähnen Sie WP-Inhalte nie in der Klageschrift (ET1) oder Beschwerde.
6. Typische Ausgänge von WP-Gesprächen
WP-Verhandlungen enden meist auf drei Wegen:
Einigung:
Beide Seiten unterschreiben einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung und Zeugnis.Keine Einigung:
Der Fall geht vors Gericht. Der Richter ignoriert alle WP-Angebote.Strategie:
Seiten nutzen WP, um risikofrei Angebote auszuloten oder Fehler zuzugeben.
Beispiel:
Ein Chef gibt einen Fehler zu und bietet im WP-Brief Geld.
Lehnen Sie ab, darf dieses Geständnis nicht gegen ihn verwendet werden.
7. Wichtige Beweise sichern
Der Erfolg des WP-Schutzes hängt von Timing, Kontext und Dokumenten ab.
Was Sie sichern sollten:
Alle WP-E-Mails, Briefe und Gesprächsnotizen.
Detaillierte Protokolle zu Personen, Kontext und Inhalt jedes WP-Treffens.
Den deutlichen Hinweis „Without Prejudice“ im Betreff der Schreiben.
Sichern Sie bei Missbrauch Verdachtsmomente ab und suchen Sie Rat.
8. Häufig gestellte Fragen
Darf ich WP-Treffen aufnehmen?
Geheime Aufnahmen bergen Risiken.
Genaue Notizen sind sicherer.
Nur bei extremem Fehlverhalten erlauben Gerichte Ausnahmen.
Was, wenn mir vor einer Beschwerde Geld angeboten wird?
Ohne echten Konflikt greift WP oft nicht.
Abs. 111A ERA schützt Sie eventuell bei Kündigungen, nicht bei Diskriminierung.
Schützt WP auch Diskriminierung?
Nein. Diskriminierende Äußerungen heben den Schutz sofort auf.
Sie sind vor Gericht als Beweismittel zulässig.
Woran erkenne ich den Schutzverlust?
Wenn eine Seite WP-Inhalte in offenen Briefen erwähnt, ist der Schutz verloren.
Was tun, wenn mein Chef WP im offenen Brief erwähnt?
Beantragen Sie beim Tribunal, den gesamten WP-Verlauf zuzulassen.
Das offenbart oft mehr, als dem Chef lieb ist.
9. Checkliste: WP-Verhandlungen sicher führen
WP nur bei echtem Konflikt (Beschwerde, Klage, offene Vorwürfe) nutzen.
Alle Dokumente mit „Without Prejudice“ kennzeichnen.
WP-Korrespondenz strikt von offenen Briefen trennen.
Keine WP-Inhalte in Klageschriften (ET1) oder Beschwerden nennen.
Detaillierte Gesprächsprotokolle samt Teilnehmern und Aussagen führen.
Bei Verdacht auf Fehlverhalten Beratung einholen.
Für Taktiken nach dem Arbeitsverhältnis lesen Sie, wie Vertraulichkeitsbrüche & NDAs mit Wettbewerbsverboten im UK-Recht zusammenhängen.
10. Fazit
„Without Prejudice“-Gespräche helfen, Konflikte diskret zu lösen.
Sie sind jedoch kein Freifahrtschein.
Kennen Sie Ihre Rechte und Ausnahmen, um sich zu schützen.
Zögern Sie im Zweifel nicht, professionellen Rat einzuholen.
Gute Protokolle sichern Ihnen eine starke Verhandlungsposition.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt keine Rechts-, Finanz- oder Steuerberatung. Ergebnisse hängen stets vom Einzelfall ab.
