Ist eine Gewaltschutzanordnung leicht zu bekommen?
Die Beantragung beim Familiengericht in England oder Wales ist unkompliziert. Das Gericht setzt meist einen Termin innerhalb von zwei Wochen an.
Bei akuter Gefahr kann das Gericht eine einstweilige Anordnung erlassen. Diese schützt Sie sofort bis zur Hauptverhandlung Monate später.
Wichtig: Eine solche Anordnung bedeutet nicht, dass Sie einer Straftat schuldig sind. Sie führt nicht zu einem Eintrag im Führungszeugnis.
Es ist eine Schutzmaßnahme, keine Strafe. Sie wird oft zum Schutz von Kindern oder schutzbedürftigen Personen genutzt.
Brauche ich dafür einen Anwalt?
Nein, Sie brauchen für den Antrag keinen Anwalt. Viele erledigen das selbst, ohne Geld auszugeben. Das Gericht muss Sie schützen, ob mit Anwalt oder ohne.
Was kostet die Anordnung in Großbritannien?
Es gibt keine Gerichtsgebühr für diesen Antrag. Die Beantragung ist kostenlos. Sie müssen dem Gericht nichts bezahlen.
Welches Formular muss ich nutzen?
Sie müssen das Formular FL401 ausfüllen. Es ist online oder beim Familiengericht erhältlich. Reichen Sie Ihre Zeugenaussage und Beweise direkt mit ein.
Welche Beweise werden benötigt?
Eine Verurteilung oder ärztliche Atteste sind nicht zwingend nötig. Je mehr Infos Sie aber liefern, desto besser.
Das Gericht entscheidet nach überwiegender Wahrscheinlichkeit. Es prüft, was am wahrscheinlichsten geschah. Mögliche Beweise:
Screenshots oder Nachrichten: SMS, WhatsApp, E-Mails oder Social-Media-Beiträge, die Drohungen, Belästigung oder Kontrolle belegen.
Polizeiberichte oder Aktenzeichen: Falls Sie die Polizei gerufen haben, geben Sie alle Aktenzeichen oder Berichte an.
Medizinische Beweise: Arztbriefe oder Notizen, falls Sie wegen des Verhaltens der Gegenpartei beim Arzt oder im Spital waren.
Zeugenaussagen: Freunde, Familie oder Nachbarn, die das Verhalten mitbekommen haben, können eine kurze Aussage verfassen.
Ihre eigene Aussage: Der wichtigste Teil. Erklären Sie genau, was wann geschah und wie es Sie beeinflusst. Nennen Sie konkrete Daten.
Geben Sie auch an, was das Gericht anordnen soll. Sie können etwa verlangen, dass der Antragsgegner Folgendes unterlassen muss:
Das Betreten Ihrer Wohnung oder Ihres Arbeitsplatzes.
Die direkte oder indirekte Kontaktaufnahme (auch über Freunde oder Familie).
Beiträge über Sie in den sozialen Medien zu posten.
Ohne Absprache an der Schule oder Kita Ihres Kindes aufzutauchen.
Kontakt zu Ihren Familienmitgliedern aufzunehmen.
Unterschied: Restraining Order vs. Non-Molestation Order
Eine Non-Molestation Order (Gewaltschutzanordnung) wird vom Familiengericht erlassen. Sie schützt vor Belästigung durch (Ex-)Partner oder Familie.
Es handelt sich um ein zivilrechtliches Verfahren, nicht um eine strafrechtliche Verurteilung.
Eine Restraining Order (Näherungsverbot) ergeht meist durch ein Strafgericht nach einer Verurteilung (oder teils Freispruch).
Sie schützt jeden, nicht nur Verwandte (z. B. bei Stalking). Der Unterschied liegt im Gerichtstyp und dem Anlass der Verfügung.
Wie weitreichend ist die Anordnung?
Es ist eine ernste gerichtliche Verfügung. Ein Verstoß ohne triftigen Grund ist eine Straftat. Die Polizei kann die Person sofort festnehmen.
Es drohen bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Die bloße Existenz der Anordnung führt aber nicht zu einer Vorstrafe.
Für die Durchsetzbarkeit muss ein Strafhinweis enthalten sein. Suchen Sie im Entwurf danach. Es ist eine formelle Warnung des Gerichts.
Sie stellt klar, dass bei Verstoß Verhaftung droht. Dieser Hinweis verdeutlicht die Folgen und lässt keinen Zweifel am Ernst der Lage.
Die Anordnung regelt genau, was verboten ist: z. B. Belästigung, Drohungen oder unangekündigte Besuche. Dies soll Ihnen Schutz und Ruhe bieten.
Darf ich meinen Ex-Partner kontaktieren?

Als Antragsgegner dürfen Sie keinen Kontakt aufnehmen, außer es ist erlaubt. Bei gemeinsamen Kindern wird oft die Absprache geregelt (z.B. per SMS).
Halten Sie sich strikt daran. Fragen Sie bei Unklarheiten das Gericht. Ein Verstoß, selbst aus Versehen, hat schwere Folgen.
Als Antragsteller prüfen Sie bitte, was die Verfügung erlaubt (z.B. wegen der Kinder). Für Änderungen müssen Sie eine Anpassung beim Gericht beantragen.
Kann ein Kind diese Anordnung erhalten?
Ja, auch Kinder können so geschützt werden. Das Gericht schließt Kinder ein, wenn es für deren Sicherheit und Wohlbefinden nötig ist.
Ein Elternteil oder Vormund kann den Antrag stellen. Selten können ältere Kinder dies selbst tun. Das Kindeswohl steht immer an erster Stelle.
Verhindert die Anordnung den Umgang mit dem Kind?
Die Anordnung soll den Umgang nicht verhindern. Sie wehrt nur Gefahren ab. Bestehende Umgangsregelungen bleiben bestehen.
Die Anordnung regelt dann oft die Übergabe und die Kommunikation (z.B. nur per Mail). Sie verbietet etwa Besuche außerhalb der Termine.
Bei Sorgen zur Regelung können Sie das Gericht um Klärung oder Anpassung bitten.
Checkliste für den Antrag
Beweise sammeln: Nutzen Sie E-Mails, SMS, Screenshots, Polizeiberichte und Zeugenaussagen.
Klare Aussage verfassen: Erklären Sie die Vorfälle, warum Sie Schutz brauchen und was das Gericht anordnen soll.
Verbotene Handlungen nennen: Listen Sie auf, was unterbleiben soll (z. B. unangekündigte Besuche, Kontakt zu Verwandten).
Kinder einbeziehen: Erklären Sie, wie der Umgang bei bestehenden Regelungen sicher ablaufen kann.
Antrag einreichen: Nutzen Sie Formular FL401 samt Belegen. Für eine geheime Adresse nutzen Sie zusätzlich das Formular C8.
Gewaltschutzantrag - Begründende Erklärung
BEIM FAMILIENGERICHT
Aktenzeichen: (leer lassen, falls nicht bekannt)
Antragsteller(in): [Ihr vollständiger Name]
Antragsgegner(in): [Vollständiger Name der Gegenpartei]
ZEUGENAUSSAGE ZUR BEGRÜNDUNG EINES GEWALTSCHUTZANTRAGS
1. Meine Angaben
Mein Name ist [Ihr vollständiger Name]. Ich bin [Ihr Alter] Jahre alt und wohne in [Ihre Adresse, oder Angabe, dass die Adresse geheim bleiben soll]. Ich bin die/der [Beziehung zur Gegenpartei, z. B. Ex-Partner(in), Ehepartner(in)] des Antragsgegners.
2. Hintergrund
Wir führten eine Beziehung vom [Startdatum] bis [Enddatum]. Wir haben [Anzahl] gemeinsame Kinder: [Namen und Geburtsdaten der Kinder, falls relevant]. Seit dem Ende der Beziehung erlebe ich fortlaufend Belästigungen durch den Antragsgegner.
3. Was vorgefallen ist
Seit dem [Datum] hat der Antragsgegner folgende Handlungen begangen:
[Beispiel] Mir wiederholt SMS und E-Mails geschickt, teils mit bedrohlichem oder beleidigendem Inhalt.
[Beispiel] Ist mehrfach unangekündigt an meiner Wohnung erschienen, unter anderem am [Daten nennen, falls möglich].
[Beispiel] Meine Familie und Freunde kontaktiert und falsche Behauptungen über mich verbreitet.
[Beispiel] Mich an meinem Arbeitsplatz/meiner Schule abgefangen und mich dadurch eingeschüchtert.
[Beispiel] Beiträge über mich in sozialen Netzwerken gepostet, die ich als bedrohlich empfand.
Als Beweismittel füge ich bei:
Screenshots von Nachrichten und E-Mails (Anlage A)
Polizeiliche Berichte/Aktenzeichen [falls vorhanden] (Anlage B)
Aussagen von [Namen der Zeugen, falls vorhanden] (Anlage C)
4. Auswirkungen auf mich und meine Kinder
Das Verhalten des Antragsgegners beeinträchtigt meinen Alltag massiv. Ich habe Angst. Ich fürchte um meine Sicherheit und die meiner Kinder. Die Kinder haben Vorfälle miterlebt und sind sehr belastet.
5. Warum ich Schutz benötige
Ich beantrage die Anordnung, da ich befürchte, dass das Verhalten anhält oder sich verschlimmert. Ich will mich zu Hause und unterwegs wieder sicher fühlen. Ich bin besonders besorgt, weil [besondere Risiken wie Vorstrafen oder Drohungen erklären].
6. Gewünschte Anordnungen des Gerichts
Ich beantrage, dem Antragsgegner Folgendes zu untersagen:
Gewalt gegen mich anzuwenden oder anzudrohen.
Mich zu belästigen oder einzuschüchtern (inkl. Anrufe, SMS, E-Mail, Social Media).
Sich meiner Wohnung oder meinem Arbeitsplatz zu nähern.
Meine Familie oder Freunde wegen mir zu kontaktieren.
Ohne Absprache an der Schule oder Kita der Kinder aufzutauchen.
Die Schule oder Übergabeorte außerhalb vereinbarter Zeiten aufzusuchen.
Den Kontakt zu mir streng auf Absprachen zu den Kindern zu beschränken (nur per SMS/E-Mail).
Falls das Gericht es für nötig hält, stimme ich klaren Regeln für die Kinder zu, damit Übergaben sicher ablaufen können.
7. Richtigkeit der Angaben
Ich versichere, dass die Angaben in dieser Zeugenaussage der Wahrheit entsprechen.
Unterschrift: ___________________________
Datum: ____________________________
Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt keine Rechts-, Finanz- oder Steuerberatung. Ergebnisse können im Einzelfall abweichen.
