Digitale Vermögenswerte sind heute ein bedeutender Teil unseres Lebens, werden in der Nachlassplanung jedoch oft übersehen. Zu diesen Vermögenswerten gehören Social-Media-Konten (Facebook, Instagram, Twitter, LinkedIn), digitale Fotos und Videos in der Cloud, E-Mail-Konten und sogar Treuepunkte. Dazu zählen auch Kryptowährungen (wie Bitcoin und Ethereum), Online-Banking- und Anlagekonten, Domainnamen, Blogs und digitale Bibliotheken wie iTunes und Kindle. Für viele haben diese Vermögenswerte sowohl finanziellen als auch ideellen Wert.
Rechtliche Herausforderungen: Warum digitale Vermögenswerte so kompliziert sind
Der Umgang mit digitalen Vermögenswerten nach dem Tod einer Person ist selten einfach. Anders als bei körperlichen Gegenständen unterliegen digitale Vermögenswerte einem Flickenteppich aus Nutzungsbedingungen, die von jedem Dienstanbieter festgelegt werden. Viele Online-Plattformen beschränken den Zugriff auf Konten nach dem Tod des Nutzers, und manche verbieten sogar die Übertragung des Eigentums vollständig. Das kann Testamentsvollstrecker und Familien in eine schwierige Lage bringen, insbesondere wenn sie wichtige Informationen abrufen, Konten schließen oder auf Gelder zugreifen müssen.
Ein großes Hindernis besteht darin, dass Sie in vielen Fällen den digitalen Inhalt – etwa Musik, Filme oder E-Books – gar nicht tatsächlich besitzen. Stattdessen haben Sie in der Regel eine Lizenz zur Nutzung des Inhalts, die oft mit dem Tod endet. Datenschutz- und Datensicherheitsgesetze können Dienstanbieter außerdem daran hindern, Informationen weiterzugeben, selbst an Ihre Testamentsvollstrecker. Ohne die richtigen Passwörter oder Zugangsdaten können Ihre Angehörigen dauerhaft von Ihren Konten ausgeschlossen sein.
Häufige Unklarheiten und Fallstricke
Eines der häufigsten Missverständnisse ist die Annahme, dass digitale Vermögenswerte automatisch an Ihre nächsten Angehörigen übergehen, genau wie körperliche Gegenstände. In Wirklichkeit ist die Rechtslage nicht immer eindeutig. Kryptowährungen werden beispielsweise als Vermögen behandelt und können vererbt werden, aber nur, wenn Ihre Testamentsvollstrecker wissen, wie sie darauf zugreifen können. Social-Media-Konten hingegen unterliegen oft den eigenen Regeln des Anbieters, die Ihren Wünschen vorgehen können.
Ein weiterer Fehler ist, kein aktuelles Verzeichnis Ihrer digitalen Vermögenswerte zu führen. Passwörter ändern sich, neue Konten werden erstellt und alte vergessen. Wenn Ihre Testamentsvollstrecker keine vollständige und aktuelle Liste haben, könnten wertvolle oder ideelle Vermögenswerte für immer verloren gehen.
Planungslösungen: Die Kontrolle über Ihr digitales Erbe übernehmen
Um diese Probleme zu vermeiden, erstellen Sie zunächst ein vollständiges Verzeichnis Ihrer digitalen Vermögenswerte. Dazu sollten alle Online-Konten, digitalen Wallets, Cloud-Speicher und alle anderen Plattformen gehören, auf denen Sie Werte oder Informationen halten. Notieren Sie für jedes Konto den Benutzernamen, das Passwort und etwaige Sicherheitsfragen oder Backup-Codes. Erwägen Sie die Nutzung eines Passwort-Managers, der einem vertrauenswürdigen Menschen im Notfall Zugriff ermöglicht.
Einige Plattformen bieten inzwischen Tools an, die Ihnen bei der vorausschauenden Planung helfen. Zum Beispiel:

Facebook ermöglicht es Ihnen, einen Nachlasskontakt zu benennen, der Ihr Gedenkkonto verwalten oder löschen kann.
Google bietet einen Inactive Account Manager, mit dem Sie festlegen können, was mit Ihren Daten geschieht, wenn Ihr Konto inaktiv wird.
Apple ermöglicht Ihnen, einen Legacy Contact einzurichten, der auf Ihre Apple-ID und Ihre Daten zugreifen kann.
Microsoft hat ein Next-of-Kin-Verfahren für den Zugriff auf Konten nach dem Tod.
Wenn Sie Kryptowährungen besitzen, ist es wichtig, dass Ihre privaten Schlüssel und Zugangsanweisungen sicher aufbewahrt werden und von einer Person gefunden werden können, der Sie vertrauen. Ohne diese könnten Ihre digitalen Währungen dauerhaft verloren gehen.
Digitale Vermögenswerte im Testament berücksichtigen
Es ist ratsam, klare Anweisungen zu Ihren digitalen Vermögenswerten in Ihr Testament aufzunehmen. Sie können festlegen, wer welchen Vermögenswert erben soll und wie Ihre Konten verwaltet oder geschlossen werden sollen. Erwägen Sie die Benennung eines „digitalen Testamentsvollstreckers“ – also einer Person mit dem technischen Know-how, um diese Angelegenheiten zu regeln. Achten Sie darauf, dass Ihr Testament keine Passwörter oder sensiblen Informationen enthält, da es nach der Erteilung des Erbscheins ein öffentliches Dokument wird.
Praktische Schritte zum Schutz Ihrer digitalen Vermögenswerte
Erstellen Sie eine vollständige und aktuelle Liste aller Ihrer digitalen Konten und Vermögenswerte.
Bewahren Sie Zugangsdaten sicher auf, etwa mit einem Passwort-Manager oder in einem versiegelten Brief.
Nehmen Sie Anweisungen zu digitalen Vermögenswerten in Ihr Testament auf und erwägen Sie die Benennung eines digitalen Testamentsvollstreckers.
Nutzen Sie, wo verfügbar, anbieterspezifische Planungstools.
Überprüfen und aktualisieren Sie Ihre Pläne regelmäßig, insbesondere wenn Sie neue Konten eröffnen oder Passwörter ändern.
Warum Planung wichtig ist
Ohne sorgfältige Planung könnte Ihr digitales Erbe verloren gehen, unzugänglich sein oder Ihren Angehörigen unnötigen Stress bereiten. Familienfotos, wichtige Dokumente und sogar finanzielle Vermögenswerte könnten verschwinden. Wenn Sie diese Schritte jetzt unternehmen, stellen Sie sicher, dass Ihre Wünsche respektiert werden und Ihre digitalen Vermögenswerte wie beabsichtigt verwaltet werden.
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Hinweis: Dieser Blogbeitrag enthält allgemeine Informationen ausschließlich zu Bildungszwecken. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Ergebnisse können je nach Ihren persönlichen Umständen variieren.
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